Seynabou Diakhoumpa &
Jens Grimm
Rückgrat
humanitärer Hilfe
Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im April 2023 steckt der Sudan in einer schweren humanitären Krise. Mehr als zehn Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Über eine Million von ihnen sind allein in den Osten des Tschad geflohen. Sie sind auf kontinuierliche Hilfe angewiesen, doch genau diese Hilfe zu ihnen zu bringen, ist extrem schwierig. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Transportkorridor von Douala in Kamerun über N’Djamena, die Hauptstadt des Tschad, bis nach Abéché im Osten des Landes. HELP Logistics hat diese Route deshalb genau untersucht, um Ansatzpunkte zu finden, wie Transporte zuverlässiger werden können. Seynabou-Diakhoumpa, Senior Operations Manager und Supply Chain Advisor bei HELP Logistics West Africa, leitete die Studie. Gemeinsam mit sieben Hilfsorganisationen, darunter UNICEF, analysierte das Team die Bedingungen entlang der Strecke.
„Unser Ziel ist klar: Hilfsgüter wie Medikamente und Impfstoffe sollen genau dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, sagt Jens Grimm, Deputy Representative for Operations von UNICEF Sudan und ehemaliger Regional Chief of Supply für West- und Zentralafrika. „Die Analysen von HELP helfen uns dabei, Lieferketten gezielt zu verbessern.“ Für die Studie kombinierte das Team verschiedene Ansätze: Recherchen, Vor-Ort-Begehungen, Gespräche mit Fahrern sowie die Auswertung von Transportzeiten und Kosten. „Im Mittelpunkt standen immer die konkreten Anforderungen der Hilfsorganisationen und die schwierigen Bedingungen, unter denen sie arbeiten“, so Seynabou Diakhoumpa.
Der Abschlussbericht dient UNICEF und anderen Organisationen heute als praktische Orientierung, etwa bei der Wahl von Routen oder der Planung nach Jahreszeiten. Er zeigt auch, wie sich Alternativen sinnvoll abwägen lassen. So kann beispielsweise die Kombination aus Schiene und Strasse die Transportkosten im Vergleich zum reinen Strassentransport um rund 40 Prozent senken, und das bei ähnlich langen Lieferzeiten. Gleichzeitig erhöht sich die Zuverlässigkeit, insbesondere in der Regenzeit. Für UNICEF und seine Logistikpartner erleichtern die Erkenntnisse von HELP eine realistische Planung. Die Studie macht deutlich, wie entscheidend eine funktionierende Logistik für humanitäre Hilfe ist. Ihre Ergebnisse lassen sich auch auf andere Regionen übertragen und tragen so dazu bei, die Versorgung von Geflüchteten langfristig zu verbessern.
„Im Mittelpunkt stehen immer die konkreten Anforderungen der Hilfsorganisationen und die schwierigen Bedingungen, unter denen sie arbeiten.“
Seynabou Diakhoumpa
Transportkorridor Douala–N’Djamena–Abéché

Die rund 2.700 km lange Route führt von Douala in Kamerun über N’Djamena, die Hauptstadt des Tschad, nach Abéché im Osten des Landes. Die Reise dauert etwa 20 Tage – zwölf bis 14 für die Fahrt plus vier bis sieben für die Grenzabfertigung. Einige Streckenabschnitte gelten als unsicher, und Lkw müssen unterwegs über 60 Kontrollpunkte passieren, an denen häufig Gebühren erhoben werden. Da nur wenige der Strassen asphaltiert sind, verschlechtern sich die Bedingungen in der Regenzeit, was die Konvois zusätzlich verlangsamt. Die Stärkung des Korridors hat nicht nur aus humanitären Gründen Priorität. Sie ist zudem eine Investition in die regionale Handelsinfrastruktur, auf die lokale Gemeinschaften und ganze Volkswirtschaften angewiesen sind.

Rahel Schöni

Antonello De Marco

Dr. med. Natalie Arnold & Cristian Riccio, Ph.D.
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