Dr. med. Natalie Arnold &
Cristian Riccio, Ph.D.
Gemeinsam stark
In der Lipidambulanz des Universitären Herz- und Gefässzentrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) betreut Natalie Arnold regelmässig Patienten, die mit den Folgen der familiären Hypercholesterinämie (FH) zu kämpfen haben. Diese vererbte Fettstoffwechselstörung führt zu erhöhten LDL-Cholesterinwerten und steigert so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. Das Tückische: Folgen der FH entwickeln sich oft unbemerkt und werden daher meist zu spät erkannt. Gute Gründe also für die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, sich gemeinsam mit dem Bioinformatiker Cristian Riccio, einem Experten für Datenanalyse bei Cardio-CARE, intensiver mit FH zu beschäftigen. Als Basis für ihre enge Zusammenarbeit konnten sie auf bewährte Strukturen der Kooperation zwischen dem UKE und Cardio-CARE zurückgreifen.
In einer Studie haben beide die Häufigkeit der Erkrankung in Hamburg und die Zusammenhänge zwischen genetisch bestätigter FH und LDL-Cholesterin-Werten untersucht. Für die genetische Analyse griff Cristian Riccio auf die Erbinformationen von über 7.000 Hamburgern aus der Hamburg City Health Study zurück. Die Daten sind Bestandteil des Ganzgenomsequenzierungsprojekts von Cardio-CARE und dem UKE. Natalie Arnold begleitete die Studie aus ärztlicher Sicht. Ein wichtiges Ergebnis: Die bisher angenommene enge Verbindung zwischen sehr hohen LDL-Cholesterinwerten und einer genetischen FH konnte nicht bestätigt werden. Nur die Hälfte der Teilnehmer mit genetisch bestätigter FH hatte eine schwere Hypercholesterinämie mit deutlich erhöhten LDL-Cholesterinwerten. Umgekehrt hatte die grosse Mehrheit mit schwerer Hypercholesterinämie keine genetisch bestätigte FH. „Das bedeutet, dass genetische Screening-Programme, deren Einführung aktuell diskutiert wird, für einen flächendeckenden Einsatz in der Gesamtbevölkerung aktuell noch nicht ausreichend evidenzbasiert sind“, fasst die Ärztin zusammen, und der Bioinformatiker ergänzt: „Ein Verzicht auf genetisches Screening würde vermeiden, Personen mit genetisch bestätigter FH zu verunsichern, da eben nicht alle eine schwere Hypercholesterinämie entwickeln. Und es spart natürlich auch Kosten.“
Die FH-Studie ist für Cristian Riccio ein Beleg dafür, dass die Kühne-Stiftung ein wichtiger Spieler in der Forschung ist: „Dank Cardio-CARE können wir unmittelbar patientenrelevante Forschungsfragen bearbeiten.“ Mehr noch: Auf Basis der genetischen Daten lassen sich vielfältige Analysen in der kardiologischen Forschung, etwa zu Bluthochdruck oder Herzmuskelproblemen, vornehmen. „Das ist ein wahrer Schatz!“, sagt Natalie Arnold. „Schliesslich sind kardiovaskuläre Erkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache weltweit.“
„Dank Cardio-CARE können wir unmittelbar patientenrelevante Forschungsfragen bearbeiten. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache weltweit.“
Dr. med. Natalie Arnold &
Cristian Riccio, Ph.D.
Cardio-CARE

Die 2019 von der Kühne-Stiftung gegründete gemeinnützige Cardio-CARE AG stärkt den Medizincampus Davos im Bereich der Datenanalyse mit kardiologischem Schwerpunkt. Cardio-CARE zeichnet sich durch das derzeit grösste Ganzgenomsequenzierungsprojekt im deutschsprachigen Raum aus: Gemeinsam mit der Klinik für Kardiologie des UKE in Hamburg und dem Institut für Pathologie des Universitätsspitals Zürich hat Cardio-CARE das Genom von über 9.000 Personen sequenziert. Ziel ist es, die genetischen Grundlagen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen und zu diagnostizieren sowie neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Andrea Bembenek-Jaimes, Amina Djoudad & Steven Roche

Pater Martin Werlen

Martina Russomanno & Tomislav Jukić
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