Tobias Kratzer & Bjarke Ingels
Ein Haus für alle
Noch ist es eine Vision: das neue Opernhaus auf der Halbinsel Baakenhöft, das einmal die Stadtlandschaft in der Hamburger HafenCity prägen soll. Die Visualisierungen der Bjarke Ingels Group (BIG), Sieger des von der Kühne-Stiftung und der Stadt Hamburg ausgelobten internationalen Architekturwettbewerbs, zeigen eine Reihe bewachsener, übereinander geschichteter Terrassen. Diese wirken wie von der Küstenvegetation geformt und erzeugen den Eindruck sanfter Wellen – „Klangwellen, die von der Bühne ausgehen“, wie es Bjarke Ingels, Gründer und Kreativdirektor von BIG, formuliert. Grosse Dachüberstände dienen als Windschutz und sorgen dafür, dass das künftige Opernhaus auch bei rauem Wetter einladend bleibt. Und dank seiner eleganten und einem Park nachempfundenen Gestaltung fügt sich das Gebäude wie selbstverständlich in die Umgebung ein. „Es wird schwer sein, die Grenzen zwischen Aussen und Innen zu erkennen“, sagt Bjarke Ingels. Auch im Grossen Saal findet sich die Idee der Klangwellen wieder: Hier formen geschwungene Wände aus konzentrischen Holzringen den Raum, von der Bühne ausgehend.
Zu den Jurymitgliedern, die den Entwurf von BIG ausgewählt haben, gehört Tobias Kratzer. Den Intendanten der Staatsoper Hamburg, welche bereits seit vielen Jahren von der Kühne-Stiftung gefördert wird, haben vor allem die Offenheit und Zugänglichkeit des Gebäudes begeistert. Beides entspricht seiner Vision der Oper der Zukunft: „Eine Kunstform, die allen offensteht, nicht nur dem traditionellen Publikum.“ Denn Tobias Kratzer begreift historische Werke als lebendige Materie und nicht als angestaubte Museumsstücke. Es geht darum, sie für die Gegenwart relevant zu machen – beispielsweise durch progressive Kooperationen und Perspektiven. Mit neuen Formaten und Kammeropern will er das Repertoire zusätzlich erweitern. Deshalb freut er sich über die Möglichkeiten, die das zukünftige Opernhaus bieten wird. Letztlich verfolgt er bei der Programmgestaltung einen demokratischen Ansatz und misst historischen, zeitgenössischen und experimentellen Werken den gleichen künstlerischen Wert bei.
Die neue Hamburgische Staatsoper will ein Ort sein, der diesem Ansatz den passenden Rahmen gibt und in dem Natur und Architektur sowie etablierte Meisterwerke und mutige Innovationen zusammenfinden. Ein Ort, der allen offen steht und nicht nur Opernliebhaber willkommen heisst, sondern auch jene, die neugierig auf die Architektur und die Atmosphäre an diesem besonderen Ort sind.
„Eine Kunstform, die allen offensteht, nicht nur dem traditionellen Publikum.“
Intendant Tobias Kratzer
Die Schenkung

Hamburg soll ein neues Opernhaus erhalten. Dieses wird von der Kühne-Stiftung finanziert, während die Stadt Hamburg das Grundstück auf dem Baakenhöft bereitstellt und vorbereitet sowie standortspezifische Kosten trägt. Nach der Fertigstellung wird das Gebäude der Stadt geschenkt und die Staatsoper vom heutigen Standort dorthin umziehen.

Rahel Schöni

Dr. med. Natalie Arnold & Cristian Riccio, Ph.D.

Antonello De Marco
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