London / Hamburg, 23. September 2025. Investitionen in Höhe von 48 Milliarden US-Dollar in LNG-Tanker könnten 2035 abgeschrieben werden müssen. Der Grund ist ein drohendes Überangebot an Schiffen in einem 1,5-Grad-Szenario mit sinkender Nutzung fossiler Energien, wie eine neue Studie des UCL Energy Institute und des Kuehne Climate Center (KCC) zeigt. Während die Bestellungen für LNG-Tanker in den letzten fünf Jahren um 300% gestiegen sind, liegen die Nachfrageprognosen für den Transport von Flüssigerdgas (LNG) in fast allen Dekarbonisierungspfaden für das globale Wirtschaftssystem unter den Kapazitäten der Flotte. Selbst in Szenarien mit sehr hohem fossilen Energieverbrauch, die zu einer katastrophalen Erderwärmung von 4 Grad führen würden, bleibt die LNG-Flotte in den kom menden zehn Jahren überdimensioniert.
Dr. Vishnu Prakash, Managing Director von Alethiarc und Leiter des Forschungsprojekts, erklärt: „Unser neues Tool und die Analyse machen bislang übersehene Investitionsrisiken sichtbar. Sie zeigen außerdem, dass die LNG-Tanker Flotte auch unter moderaten Klimaszenarien erheblichen finanziellen Risiken ausgesetzt sein wird.“
Neben LNG-Tankern umfassen Tool und Analyse auch Öl- und LPG-Tanker. Diese weisen aufgrund ihrer besseren Umrüstungsmöglichkeiten auf alternative, nicht-fossile Frachten ein geringeres Risiko auf. Dr. Marie Fricaudet, wissenschaftliche Mitarbeiterin am UCL Energy Institute, erklärt: „Erstmals haben wir bei der Risikobewertung berücksichtigt, dass bestimmte Schiffstypen auf alternative Frachten umgerüstet werden können. Mit unserem Tool können Nutzer damit auch den Vorteil dieser Frachtflexibilität mit Blick auf die Investitionsrisiken einschätzen.“
Die Ergebnisse sind im neuen, interaktiven Online-Tool Investment Risk Monitor for Fossil Fuel Carrying Ships (Investitions-Risiko-Monitor für Schiffe zum Transport fossiler Energieträger) von UCL und KCC öffentlich zugänglich. Es beinhaltet aggregierte Schätzungen zu Angebot und Nachfrage für den maritimen Transport verschiedener fossiler Energieträger unter unterschiedlichen Klima- und Energieszenarien.
Maarten Biermans, Partner bei Prow Capital, sagt: „Wer in der Finanzierung dieser Schiffe aktiv ist oder es werden möchte, sollte das Tool unbedingt nutzen. Es hilft, Investitionsrisiken zu verstehen und zu vermeiden, und kann zudem den Dialog mit den Aufsichtsbehörden unterstützen.“
Das Tool zeigt auch, in welchen Ländern die finanziellen Risiken liegen: 75 % der fossilen Flotte stehen in den Bilanzen von Unternehmen aus den zehn größten Schifffahrtsnationen. Dazu zählen Japan, Südkorea, Griechenland, Norwegen, Singapur und die Volksrepublik China. In den USA tragen nicht nur Schiffseigner ein erhebliches Risiko; auch die New Yorker Börse ist der weltweit größte Handelsplatz für Unternehmen, die Transportschiffe für Öl und Gas besitzen. Rund 42 Milliarden US-Dollar, das sind 12,5 % des Marktwerts der globalen Flotte, sind dort notiert.
Stefanie Sohm vom Kuehne Climate Center betont: „Die Schifffahrt steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Mit dem Risiko Monitor wollen wir Eigentümern und Investoren Informationen an die Hand geben, die ihnen bei ihren anstehenden Entscheidungen helfen können.“
Auch der Bedarf für den Transport anderer fossiler Energieträger wie Kohle, Öl, und Petroleumgas (LPG) geht in den Energieszenarien zurück. Diese Flotten sind jedoch weniger gefährdet. Zum einen, durch die natürliche Ausmusterung der älteren Schiffe und zum anderen durch ihre besseren Voraussetzungen für eine Umrüstungen auf nicht-fossile Fracht. Die Flotte der LNG-Tanker ist dagegen sehr jung, hat einen deutlich höheren Neubauwert und ist speziell für die komplexen Transportanforderungen von Flüssigerdgas ausgelegt. Eine Umrüstung auf andere Frachtgüter erfordert, wenn überhaupt möglich, erhebliche Zusatzinvestitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Schiffe weiter schwächen.
Der Investment Risk Monitor wird während der New York Climate Week in einer von der südkoreanischen Organisation Solutions for Our Climate (SFOC) mitorganisierten Veranstaltung erstmals vorgestellt. Rachel Eunbi Shin von SFOC: „Der Investment Risk Monitor liefert entscheidende Daten. Korea dominiert mit über 70 % den weltweiten LNG-Schiffsbau. Dieser wird stark mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Da die Frachtraten für LNG-Transporte inzwischen unter die Rentabilitätsschwelle gefallen sind, arbeiten wir eng mit politischen Entscheidungsträgern daran, diese Risiken in Investitionsentscheidungen einzubeziehen.“
Das Tool sowie ein begleitendes Briefing sind verfügbar unter: www.shipping-transition.org